Medienkompetenz

„Aufgabe der Medienerziehung ist die Förderung eines kompetenten, sinnvollen und kritischen Umgangs mit den Medien. Zu der angestrebten Medienkompetenz gehören vor allem der selbstbestimmte und kreative Gebrauch der elektronischen Medien als Informations-, Kommunikations-, Unterhaltungs- und Ausdrucksmittel, aber auch die Entwicklung einer kritischen und zugleich pragmatisch konstruktiven Haltung gegenüber ihren suggestiven Einflüssen."[1]

Der Begriff der Medienkompetenz wird in der Bildungspolitik als Schlüsselqualifikation für ein lebenslanges Lernen gehandelt.

 Die Medienkompetenz

Den Anstoß zur Erweiterung des durch die Germanisten geprägten Begriffs der Lesekompetenz  hat in der öffentlichen Diskussion die Definition der PISA-Studie gegeben. In dieser Studie wurde der Begriff Lesekompetenz über den klassischen Rahmen der kontinuierlichen oder seriellen Texte, die im herkömmlichen Sinne als Texte gelten, auch auf diskontinuierliche Texte wie Tabellen und Grafiken ausgeweitet. Neben anderen fordert auch Ben Bachmair, basierend auf dem erweiterten Textbegriff von Jacques Derrida,  den Begriff der Lesekompetenz, bzw. der Literalität, auf alle Texte auszudehnen. Bachmair fordert insbesondere die parallel montierten Texte unterschiedlicher Art (Texte, Grafiken, Bilder, Musik etc.) moderner Unterhaltungsmedien in den Lesekompetenzbegriff mit einzubeziehen. Diese erweiterte Lesekompetenz, oder wenn man das produktive Handeln mit einschließt, die Literalität wird im Zusammenhang mit neuen Medien als Medienkompetenz bezeichnet.

Die Tragweite der Erweiterung dieser Definition zeigt sich auch ansatzweise in den Bildungsstandards, den Lehrplänen und auf den Bildungsservern der Länder: Medienkompetenz ist eine der Basiskompetenzen, die Kinder in der Schule erwerben sollen. Allerdings bleiben die Erzeuger dieser Machwerke dem einzelnen Lehrer die Frage nach dem „Wie?“ schuldig. Leider wird in den einzelnen fachbezogenen Ausführungen die Medienkompetenz auf Computer Literacy gestutzt, und die Medienkritik hat oft nur Alibifunktion.

Nach Dieter Baacke  umfasst der Begriff Medienkompetenz die Dimensionen Medienkunde, Mediennutzung, Medienkritik und Mediengestaltung (ähnlich gestaffelt wie die Anforderungsbereiche der heutigen KMK-Kompetenzen). Im Einzelnen versteht Baacke darunter:

  • Medienkunde: das Wissen über heutige Medien und Mediensysteme. Dazu gehört, dass man die neuen Geräte bedienen kann, aber auch das Wissen, was beispielsweise ein „duales Rundfunksystem“ ist oder wie Journalisten arbeiten.
  • Mediennutzung: dazu gehört die reflektierte, eigene persönliche Programm- oder Dienstnutzung wie beispielsweise des Fernsehprogramms oder Tele-Bankings,
  • Medienkritik: damit ist die Analyse problematischer gesellschaftlicher Vorgänge (z.B. Medienkonzentration) gemeint, und die Auswirkungen auf persönliche Haltungen. Dazu gehört auch eine ethische Dimension, die eigenes Denken und Handeln sozialverantwortlich ausrichtet,
  • Mediengestaltung:  die innovativen und kreativen Formen eigener Medienproduktionen.

 Der medienpädagogische Auftrag

Deutlich angelehnt an die Definition von Dieter Baacke sollen Schüler laut Bildungsstandards lernen:

  1. mit Medien (technischen Geräten) umzugehen
  2. Methoden der Informationsbeschaffung, -verarbeitung und -präsentation anzuwenden
  3. die vermittelten Informationen zu entschlüsseln, einzuordnen und kritisch zu bewerten
  4. angemessene Begrifflichkeiten und Problemlösestrategien zu benutzen
  5. Medien zur Kommunikation und Kooperation einzusetzen
  6. Medien als aktiv Gestaltende zu erfahren
  7. sich mit den Einflüssen der Medien auf Gefühle, Vorstellungen, Werte und Orientierungen kritisch auseinanderzusetzen

Während die Punkte eins, zwei und fünf immer systematischer im Regelunterricht eingesetzt werden, sind wir von einer systematischen Arbeit an den anderen Punkten noch weit entfernt. In der iPad-Klasse sollen nun Erfahrungen mit der systematischen Implementierung dieser Fähigkeiten gemacht werden.

 Der Medienschutz

Jede neue Technik birgt neue Chancen, aber auch Risiken. Und jede neue Technik wird zunächst kritisch gesehen, bis sie sich bewährt hat. Auf dem Weg dieser Bewährung neuer Medien in der Gesellschaft und insbesondere in der Schule als einem besonders geschützten Raum, ist es wichtig, über bekannte Risiken zu informieren und gegen diese stark zu machen. Die Zeit der Bewahrpädagogik der 50er Jahre des vergangen Jahrhunderts ist durch den technischen Fortschritt längst abgelaufen. Jugendliche können und sollen nicht mehr durch Verbote von den Medien ferngehalten werden, sondern sie sollen den sinnstiftenden Umgang mit neuen Medien als alltäglichem Arbeitsmaterial erlernen. Dabei ist es auch wichtig, sie über Gefahren im Internet, aber auch die „Netiquette“, also den sicheren Umgang im Internet, und im Besonderen über die Auswirkungen von Cybermobbing zu informieren.



[1] Hessisches Kultusministerium: Gymnasium (G8), Vorwort Seite 7