Prof. Dr. Aufenanger: Lernen mit digitalen Medien



Als Auftaktveranstaltung einer dreiteiligen Fortbildungsreihe referierte Medienpädagoge Professor Dr. Stefan Aufenanger vom Institut für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im voll besetzten Konferenzraum der Freiherr-vom-Stein-Schule vor interessierten Kolleginnen und Kollegen des Schulamtsbezirks Fulda sowie vor Eltern und Schülern der Freiherr-vom-Stein-Schule.
In seinem spannend moderierten dreiviertelstündigen Vortrag setzte sich Prof. Dr. Aufenanger mit den Chancen der digitalen Medien für den Unterricht auseinander und betrachtete dabei sowohl Chancen als auch Risiken.
An Hand verschiedener Studien, so Aufenanger, sei klar belegbar, dass die neuen Medien, die ja die Erlebniswelt der Schüler spiegeln, nicht mehr aus den Klassenzimmern wegzudenken seien. Der Weg hin zu Schule 2.0 sei aber noch weit, und trotz eines gewissen Nachholbedarfs attestierte er den Schulen landauf und landab viel guten Willen, dieses Ziel zu erreichen. 
Um die Ausstattung der Schulen zu verbessern, nannte Prof. Dr. Aufenanger drei Wege: Erstens die Anschaffung von Geräten durch die Schule oder den Schulträger, was zwar wünschenswert, wohl aber nicht finanzierbar sei, zweitens eine elternfinanzierte ein-zu-eins-Lösung, bei der jeder Schüler ein eigenes Tablet besitzt, mit der er auch zu Hause arbeiten könne und drittens die Anschaffung von Medienkoffern mit Klassensätzen an Tablets, die nach Bedarf geliehen werden könnten. 

Wirklich erfolgreich und nachhaltig sei der Einsatz von Tablets aber nur in der eins-zu-eins-Version. Jedoch sei es jedoch lange noch nicht damit getan, dass man lediglich die Geräte beschaffe.
Tablets seien nur Mittel zum Zweck, keine Allheilmittel. Um sie erfolgreich im traditionellen Kanon der Schulfächer einsetzen zu können, müsse zuerst eine Infrastruktur zum Einsatz geschaffen werden, damit deren Potentiale auch genutzt werden können und es müssten vor allem die Lehrer geschult werden, damit sie die Technik beherrschen. 
Mit dem Unterrichten mit digitalen Medien entständen auch ganz neue Herausforderungen für die Schulen selbst. Aufenanger führte aus, dass es neben der technischen Schulung auch einer pädagogisch didaktischen Neuausrichtung bedürfe. 

Um nachhaltige Veränderungen zu erreichen müssten nicht nur neue Medien angeschafft und eingesetzt, sondern auch neue Lernformen entwickelt und angewendet werden. Das jedoch bedinge, dass sich die Institution Schule komplett neu ausrichtet.
Prof. Dr. Aufenanger führte aus, dass die überkommenen 45-Minutenstunden kein ganzheitliches, zeitgemäßes Lernen mehr erlauben, da Wissen so aus dem Kontext gerissen werde.
Er erklärte weiterhin, dass an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz diese Erkenntnisse bereits umgesetzt werden, indem eine Abkehr von der normalen Vorlesung oder Seminar hin zu einem freien Fachangebot der Lehrkräfte für dieStudierenden vollzogen worden sei. 
Hier werden den Studenten in einer Art Blockseminar mit freier Rhythmisierung Lernstoffe angeboten, die dieser eigenständig erarbeiten. Für die Sekundar-Schulen wünschte sich Aufenanger ebenfalls eine solche frei Rhythmisierung, die in den Grundschule bereits mit Erfolg angewendet werde.


Zum Abschluss seines Vortrages referierte Herr Aufenanger über die Ergebnisse einer Modellstudie an vier verschiedenen Wiesbadener Schulen, die über sechs Monate in einem wissenschaftlich evaluierten Prozess mit Android, Windows und IOS-Tablets unterrichteten. 
Ergebnis dieses Versuchs sei gewesen, dass alle drei Gerätetypen für den Unterricht geeignet seien, und je nach Konzeption und Plattform ihre eigenen Stärken und punktuellen Schwächen hätten.

Der windowsbasierte Schulversuch habe, so Aufenanger, von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden, da das für den Test ausgewählte Tablet im Einsatz große administrative und technische Probleme bereitet habe, doch sowohl IOS und auch Android hätten sich an den andren drei Schulen in der Praxis gut bewährt. 

In Bezug auf die IOS-Modelle hob Aufenanger den Vorteil hervor, dass Apple als Alleinstellungsmerkmal neben der Hardware auch einen sehr gut aufgestellten Education-Bereich, der eine Vielzahl  von Online-Kursen und an Apps namhafter Institutionen wie zum Beispiel der ZUM (Zentrale für Unterrichtsmedien),  anbiete, die kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Zum Abschluss der Veranstaltung hatten dann die Zuhörer die Möglichkeit der Diskussion und des Austausches mit Professor Dr. Aufenanger.