Praxisbericht Otto-Hahn-Schule-Hanau


 Am 21.03.2018 fand an der Otto-Hahn-Schule in Hanau ein pädagogischer Tag für das gesamte Kollegium statt, und außer den Abiturientinnen und Abiturienten hatten alle Schüler schulfrei, weil die Lehrerinnen und Lehrer der Schule sich im Rahmen verschiedener Workshops und Vorträge mit der Frage beschäftigten, wie man sich in Zukunft den Themen Digitalisierung und Schule 3.0 am besten stellen könnte.



Dazu wurden verschiedene Referenten eingeladen, die das Thema „Lernen mit digitalen Medien“ in zwei Vormittags-Workshhops aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten:  Zum einen wurde ein Einführungsvortrag zum Thema ETEP (Extended Teacher Education Program) angeboten, in dem Katrin Rangnarsdóttir-Melcher und Judith Ohlmes über das Programm ETEP bereichteten, dessen Ziel es ist, anhand entwicklungspädagogischer Lernzieldiagnosen das Fähigkeitsprofil von Schülerinnen und Schülern zu ermittelt, so dass dann Entwicklungsziele für Kinder und Jugendliche formulieren werden können, die Voraussetzung für ein individualisiertes Lernen mit digitalen Endgeräten sind.

Der Themenblock „Digitalisierung“ wurde durch einen Vortrag von Prof. D. Frank Thissen, Studiendekan der Hochschule der Medien Stuttgart eingeleitet, der den Titel: “Digitalisierung, Schule und mobile Medien – wie passt das zusammen?“ trug.
In einen ebenso informativen wie spannenden Impulsreferat berichtete Frank Thissen über die gesellschaftlichen, ökonomischen und pädagogischen Herausforderungen, denen sich die Schule der Zukunft angesichts des radikalen Paradigmenwechsel von einer Industriegesellschaft hin zu einer Informationsgesellschaft stellen muss.

Im Zeitalter einer unermesslichen Flut an Daten, so Thissen, werde es immer wichtiger, Informationen zu sichten, zu überprüfen und zu validieren, was die Vermittlung von Recherchekompetenz, Auswahlkompetenz, Kritikkompetenz, Gestaltungs- und Anwendungskompetenz voraussetze. Dazu müssten die Schülerinnen und Schüler allerdings erst durch die Schule befähigt werden, eine Herausforderung, der man mit den herkömmlichen Curricula allerdings nicht gerecht werden könne. Eine der wichtigsten Kernkompetenzen sei die Autonomie des Lernenden, der in seinem individuellen Wissenserwerb durch seine Lehrer oder seine Lehrerin dabei unterstützt werde.

In Ergänzung zu Prof. Dr. Thissens Vortrag stellte Medienfachberater Dieter Umlauf vom Staatlichen Schulamt Fulda dann den konkreten Einsatz und die sinnvolle Nutzung digitaler Medien anhand verschiedener Unterrichtsbeispiele aus dem Deutsch-, Englischunterricht vor. Seine Praxiserfahrungen, die er seit 2012 in den iPad-Klassen der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda gewonnen hat, belegen die Thesen Thissens eindrucksvoll

Die iPad-Klassen, die nach konstruktivistischen und konnetkivistischen Prinzipien  unterrichtet werden, setzen das iPad lediglich dann als Werkzeug ein, wenn damit ein pädagogisch didaktischer Mehrwert zu erzielen sei.
Das erfordere aber laut Umlauf auch einen tiefgreifenden Wandel in der Organisation von Unterricht: die Schüler müssten von Konsumenten zu Produzenten – sogenannten „Prosumern“ werden und auch die Lehrerrolle müsse neu definiert werden. So werde der Lehrer eher zum Lernbegleiter oder zum Coach der Lernenden als zum Dozenten, der das Unterrichtsgeschehen „durchtaktet“ und bereithält. Ein solcher Unterricht sei aber laut Umlauf ohne eine Lernplattform wie Moodle oder iTunesU nur sehr schwer umzusetzen.

Nach einer Mittagspause bildete dann der Austausch beider Gruppen im Rahmen eines sogenannten „Aquariums“, in dem die Resultate des Vormittagsangebotes kurz präsentiert und diskutiert wurden. Diese Auftaktveranstaltung soll dabei helfen, unter Einbeziehung des gesamten Kollegiums, die Weichen für die künftige Ausrichtung des Unterrichtsalltags an der Otto-Hahn-Europaschule erfolgreich zu stellen.