07.09.2017 - "Digitale Lehr- und Lernwelten"


 Die Veranstaltung der Hessischen Lehrkräfteakademie,  die unter dem Mtto "Medieneinsatz (neu) denken" vom 6. bis zum 8. September in Fulda im Bonigfatiushaus stattfand, betrachtete das Thema Bildung unter den Schwerpunkten: "Mediale Bildung - mediale Kompetenzen – mediales Lernen". 

Der hier beschriebene Beitrag von Dieter Umlauf mit dem Titel  "Digitale Lehr- und Lernwelten"  versteht sich als ein Praxisbericht aus dem schulischen Alltag und stellt die gedankliche Konzeption der iPad-Klassen an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda vor, wo seit dem Schuljahr 2011/12 Lerngruppen mit iPads nach konstruktivistischen und konnektivistischen Prinzipien unterrichtet werden.

Da die Freiherr-vom-Stein-Schule ein traditionelles Gymnasium mit einer baulichen Substanz aus den frühen sechziger Jahren ist, ergab sich auch für die iPad-Klassen das Problem, Räumlichkeiten zu finden und zu gestalten, die einem modernen medialen Unterrichtsprinzip gerecht werden.

Ausgehend von Prof. Dr. Burows Frage, inwieweit die Begriffe "Glück" und "Schule" simultan gebraucht werden können und ob das Wohlfühlen in der Schule eine Rolle spielt, muss auch die Auswirkung der Architektur auf das Lernen betrachtet werden, die im Zusammenhang mit der Organisation des Unterrichts in offenen Lernfeldern und der Methode des Blended Learning den notwendigen pädagogischen, aber auch den angemessenen methodisch didaktischen Rahmen bilden, um angesichts der gesellschaftlichen Realitäten und der Lebenswirklichkeit der Schüler nachhaltig unterrichten zu können.  

Der Raum, der die Lebenswirkllichkeit der Schüler für neun bis zwölf Jahre prägt,  stellt pädagogisch gesehen eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen von Unterricht dar. Doch das schönste architektonische Konstrukt allein hilft leider nicht weiter, um die Unterrichtsqualität zu verbessern und um unsere Schulen für die Anforderungen der Industrie 4.0 und den damit einhergehenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Änderungen fit zu machen.

Dezentrales kooperatives Arbeiten, und die Kommunikation zwischen Lernbegleitern und Lernpartnern sowie die Schaffung von offenen Lernfeldern als Voraussetzung für die oben beschriebenen Voraussetzungen bedürfen aber eines entsprechenden konzeptionellen Rahmens: Die Schule von morgen muss also weitsichtig geplant und großzügig angelegt werden müssen, so dass Räume und Mobiliar flexibel eingesetzt werden können, damit permanent "Lernräume" und "Inseln" geschaffen werden können, die sich an die vielfältigen Arbeitsweisen der Schule von morgen anpassen lassen und vor allen Dingen einen sehr hohen Wohlfühlcharakter haben.

Um die Schule halbwegs zu eienm Ort zu machen, an dem man sich wohlfühlen kann,  sind die Räume Im ersten Stock des E-Traktes, der die iPad-Klassen beherbergt, von den Schülern selbst renoviert worden.  

Es wurde die jeweils hintere Wand der Klassenräume grau gestrichen und mit dem Schullogo des Archimedes sowie dem von den Schülern gewählten Motto: "The brain is not a vessel to be filled but a fire to be kindled" verziert. Die Klassen haben einen Lehrerrechner, einen Beamer mit zwei HDMI-Eingängen mit Apple TV und Aktivlautsprechern. Zu Beginn des Schuljahres 2011/12 wurden für alle sieben Räume des E-Traktes Einzeltische und orange Sitzmöbel angeschafft.

Highlight des E-Traktes ist der Raum E144, der über die eben genannte Ausstattung hinaus über sechs Arbeitsplätze mit 21 Zoll iMacs verfügt. Dieser Raum ist als "Freiarbeitsraum" konzipiert und kann von allen Schülern der iPad-Klassen frei genutzt werden. Zusätzlich zu diesem Multifunktionsraum ist nun auch in G166 ein Master-Room für die iPad-Klassen eingerichtet, in dem Video- und Audioprojekte umgesetzt werden können. Dieser Raum ist ansonsten nicht als Klassenraum verplant und kann deswegen von den Schülern für Projekte gebucht werden.

Als letztes Glied in der Kette der Veränderungen ist Technik zu sehen: Die Digitalisierung der Gesellschaft schreitet unaufhaltsam und rasant voran Bei den Jugendlichen gehören ein ständig verfügbares Internet, soziale Netzwerke und zahllose Apps gehören bereits heute zum Alltag und prägen ihre Lebenswirklichkeit.

Dieser Entwicklung haben Schulen allerdings bisher erst in Ansätzen Rechnung getragen. Schüler schleppen sich weiterhin quer durch die Schulhäuser in singulär vorhandene veraltete Computerräume, deren PCs mit Wächterkarten ausgerüstet und von Filtern begrenzt, gut fünf Minuten oder mehr brauchen, um hochzufahren. Dieses "one-to-many"- Prinzip dominiert immer noch an den meisten deutschen Schulen. Die Wartung der Räume ist zeitaufwändig, und ein stabiles WLAN steht an den meisten Schulen ebenfalls nicht zur Verfügung.

Die vorhandene Technik ist darüber hinaus sehr oft veraltet und lässt kein richtiges multimediales Arbeiten zu. Deswegen werden die Computerräume auch nur zur Internetrecherche, zum Schreiben eines Word Dokument oder bestenfalls zum Erstellen einer Präsentation mit PowerPoint benutzt.

Gemäß des vierstufigen SAMR-Modells von Ruben Puenteduras, das sich in die Felder Ersetzung (Substitution), Erweiterung (Augmentation), Modifikation (Modification) und Neubestimmung (Redefinition) gliedert, wird hier allenfalls eine Substitution betrieben: Überkommene Unterrichtsinhalte werden mit Hilfe der digitalen Technik erledigt. Dieses Vorgehen hat also keinerlei methodischen oder pädagogischen Mehrwert.

Erst die Neubestimmung, die vierte Stufe des SAMR-Modells, würde die Kosten für den flächendeckenden Einsatz digitaler Technik wirklich rechtfertigen.30. Diese ist aber auch dann immer nur ein Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck. Deswegen ist es auch sinnlos nur massiv in die neueste Technik zu investieren, ohne dass man die Lehrmethoden und Lernziele auf dieses neue Primärmedium umgestellt hätte.